
55-Millionen-Projekt: Pläne für IHK-Campus Neuss vorgestellt
Die IHK Mittlerer Niederrhein und die Stadt Neuss haben den Siegerentwurf für den Campus Zukunft am Wendersplatz vorgestellt. 55 Millionen Euro, Start ab 2029.
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Berliner Büro gewinnt den Architekturwettbewerb
Die IHK Mittlerer Niederrhein und die Stadt Neuss haben den Siegerentwurf für den IHK-Campus Zukunft auf dem Wendersplatz in Neuss vorgestellt. Das Berliner Büro Thomas Müller Ivan Reimann Architekten mbH hat sich in einem Wettbewerb gegen drei weitere Büros durchgesetzt. Eine sechsköpfige Jury - je drei Vertreterinnen und Vertreter der IHK und der Stadt Neuss - hat die Entwürfe nach Qualität, Leistungsfähigkeit und objektiven Kriterien bewertet. IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz lobte das Ergebnis ausdrücklich.
„Der Entwurf der Thomas Müller Ivan Reimann Architekten mbH überzeugt durch einen besonders innovativen Ansatz und die gelungene Einbindung in das Umfeld am Wendersplatz. Der Entwurf gibt unserem Anspruch an einen offenen und zukunftsgerichteten Campus eine starke architektonische Form" - Jürgen Steinmetz, IHK-Hauptgeschäftsführer.
Offenheit, Flexibilität, Nachhaltigkeit: Die Idee hinter dem Entwurf
Der Siegerentwurf basiert auf den Leitideen Offenheit, Kommunikation, Flexibilität und Nachhaltigkeit. Die transparente Fassade und offene Begegnungsräume sollen eine direkte Verbindung zwischen Lernen, Arbeiten und Stadtleben schaffen. Gesellschafter Ivan Reimann beschreibt das Konzept als eine offene Bildungswerkstatt mitten in der Stadt - kein starres Haus, sondern ein flexibles Gebäude, das sich verändernden Anforderungen anpassen kann. Die rötlich-braune Fassadengestaltung greift dabei die Nähe zum Hafen auf. Holz-, Stahl- und begrünte Fassadenelemente verbinden industrielle Robustheit mit einem nachhaltigen Energiekonzept.
„Die transparente Fassade, die sichtbaren Aktivitäten im Inneren und offene Begegnungsräume schaffen eine direkte Verbindung zwischen Lernen, Arbeiten und Stadt. Zugleich verbindet sich in dem architektonischen Ausdruck eine robuste, industrielle Materialität mit einem nachhaltigen Energiekonzept." - Ivan Reimann, Gesellschafter Thomas Müller Ivan Reimann Architekten GmbH.
Dreistöckiges Foyer als Herzstück des Gebäudes
Im Inneren des Campus steht ein Foyer im Mittelpunkt, das sich über drei Geschosse erstreckt - mit einer offenen Treppe als zentralem Begegnungsort. Es verbindet die verschiedenen Nutzungsbereiche räumlich miteinander. Die Flächen sind großzügig und flexibel teilbar, damit das Gebäude auch auf künftige Anforderungen reagieren kann. Begrünte Dachterrassen und ein Dachgarten bieten zusätzliche Aufenthaltsqualität - mit Blick über Stadt und Hafen.
Moderne Lernwelten auf rund 4.000 Quadratmetern
Ab 2029 sollen auf rund 4.000 Quadratmetern verschiedene Bildungsangebote entstehen. Vier XR-Werkstätten ermöglichen das Training an virtuellen Maschinen - komplexe oder gefährliche Arbeitsschritte lassen sich so realitätsnah und ohne Risiko üben. In drei Games Learn Labs können Teilnehmende technische und betriebswirtschaftliche Prozesse simulieren: von digitalen Lieferketten über Cyber-Angriffe bis hin zu Entscheidungen in Transformationsprozessen. Drei digitale Studios sind für Podcasts, Lernvideos und hybride Bildungsformate geplant - Auszubildende sollen dort selbst zu Botschafterinnen und Botschaftern ihrer Berufe werden. Ein Art Thinking Showroom macht Zukunftsberufe und Transformationsszenarien sichtbar. Dazu kommen Räume für agile Arbeitsformen, ein Veranstaltungsbereich sowie ein Community-Bereich für Beratung und Vernetzung.
Nachhaltigkeit von Grund auf mitgedacht
Nachhaltigkeit zieht sich durch den gesamten Entwurf. CO2-reduzierte und recycelbare Baustoffe, eine Holz-Hybridbauweise und modulare Konstruktionen sollen den Ressourcenverbrauch minimieren. Regenwasserrückhaltung und Photovoltaik ergänzen das Konzept. Ein energieeffizientes Heiz-, Kühl- und Lüftungssystem mit Wärmepumpen und möglicher Grundwassernutzung rundet das Energiekonzept ab. Die technische Infrastruktur ist zudem so ausgelegt, dass künftig Synergien mit weiteren Gebäuden des Campus genutzt werden können.
Wer den Campus nutzen soll
Der IHK-Campus Zukunft richtet sich an rund 35.000 Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 bis 13, rund 11.600 Auszubildende sowie rund 300.000 Beschäftigte im Bezirk der IHK Mittlerer Niederrhein - also in Krefeld, Mönchengladbach, dem Rhein-Kreis Neuss und dem Kreis Viersen. Junge Menschen sollen dort Berufe entdecken und ihre Stärken kennenlernen, Azubis Zukunftskompetenzen entwickeln und Fachkräfte neue Technologien erproben. Unternehmen sollen innovative Bildungs- und Weiterbildungsformate nutzen können.
55 Millionen Euro - Förderung in Aussicht
Das Investitionsvolumen für den Campus beträgt rund 55 Millionen Euro. Die IHK hatte sich nach entsprechenden Beschlüssen der IHK-Vollversammlung und des Neusser Stadtrats auf den Förderaufruf REVIER.GESTALTEN beworben. Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW, die Bezirksregierung Köln und die Zukunftsagentur Rheinisches Revier haben die grundsätzliche Förderwürdigkeit des Projekts bestätigt und eine Förderung in Aussicht gestellt.
„Der geplante Campus Bildung und Innovation der IHK Mittlerer Niederrhein leistet aus Sicht des nordrhein-westfälischen Arbeitsministeriums wertvolle, strukturpolitische Beiträge: Er wird die regionale Wirtschaft aktiv bei der Fachkräftesicherung unterstützen und Lernenden den Zugang zu Kompetenzen eröffnen, die für einen transformativen Arbeitsmarkt essenziell sind." - Matthias Heidmeier, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW.
Neuss als Scharnier zwischen Innenstadt und Bürgerpark
Der Neusser Bürgermeister Reiner Breuer betonte die städtebauliche Bedeutung des Projekts für die Innenstadt;
„Der Wendersplatz wird künftig eine besondere Scharnierfunktion übernehmen: Er bildet den Übergang vom Markt und der Innenstadt zum neuen Bürgerpark. Genau an dieser wichtigen Verbindung wird der IHK-Campus dauerhaft für Begegnung, Austausch und Belebung sorgen. Damit gewinnt nicht nur der Wendersplatz, sondern die gesamte Neusser Innenstadt einen attraktiven neuen Anziehungspunkt."
Auch Bodo Middeldorf von der Zukunftsagentur Rheinisches Revier ordnet das Vorhaben als bedeutsames Projekt für die gesamte Region ein:
„Mit dem Campus für Bildung und Innovation entsteht in Neuss eines der bedeutsamsten Projekte zur Stärkung der Bildungslandschaft im gesamten Rheinischen Revier. Die IHK Mittlerer Niederrhein setzt damit einen Meilenstein für die Vorbereitung der Region auf die Herausforderungen einer sich wandelnden Arbeitswelt und übernimmt Verantwortung für das Gelingen des Strukturwandels."