
Die Umstrukturierung des Rheinland-Klinikums
In den drei großen Kliniken in Neuss, Dormagen und Grevenbroich hat es zum Teil große Veränderung.gegeben. Durch die Umstrukturierung sind aber alle Standorte erhalten geblieben.
Veröffentlicht: Montag, 23.03.2026 05:00
Mit rund 4.000 Mitarbeitenden und Standorten in Neuss, Dormagen und Grevenbroich sichert das Klinikum die stationäre medizinische Versorgung für rund 450.000 Menschen im Rhein-Kreis Neuss. Damit zählt es zu den größten kommunalen Klinikverbünden in Deutschland - getragen zu je 50 Prozent vom Rhein-Kreis Neuss und der Stadt Neuss.Neben drei Akutkrankenhäusern und einem Versorgungskrankenhaus betreibt das Rheinland Klinikum 6 Medizinische Versorgungszentren, 3 Häuser der Altenpflege sowie 13 Kindertageseinrichtungen.
Fusion und Neuausrichtung
2019 schlossen sich das Lukaskrankenhaus Neuss und die Rhein-Kreis Neuss Kliniken zum Rheinland Klinikum zusammen. Ziel war es Ressourcen zu bündeln und durch standortübergreifende Zusammenarbeit eine nachhaltig hochwertige Versorgung zu gewährleisten. Ende 2024 beschloss das Gesellschafter-Gremium eine strategische Neuausrichtung der drei Krankenhausstandorte:13 Medizinische Zentren übernehmen künftig die medizinische Versorgung - teils standortgebunden, teils standortübergreifend. Das Grevenbroicher Krankenhaus „Elisabeth" wird auf einen geriatrisch-internistischen Schwerpunkt ausgerichtet. Die Geburtshilfe wird am Lukaskrankenhaus Neuss konzentriert, das bereits ein zertifiziertes Perinatalzentrum Level I beherbergt. Medizinische Versorgungszentren in Neuss, Dormagen und Hürth ergänzen das Angebot
Die Umstrukturierung am Elisabeth Krankenhaus in Grevenbroich
Das Elisabethkrankenhaus in Grevenbroich blickt auf eine lange Geschichte zurück - seine Ursprünge reichen bis ins Mittelalter. Heute hat sich das Haus zu einem Krankenhaus mit geriatrisch-internistischem Schwerpunkt entwickelt.Das Elisabethkrankenhaus beherbergt heute die größte geriatrische Abteilung im Rhein-Kreis Neuss. Mit insgesamt 100 Betten am Standort Grevenbroich ist die Klinik für Geriatrie (Altersmedizin) gleichzeitig die größte bettenführende Klinik im gesamten Rheinland Klinikum.Die Klinik ist Teil des Zentrums für Geriatrie des Rheinland Klinikums. Geleitet wird dieses Zentrum von Chefarzt Dr. Oliver Holger Franz, der zudem einer der Leiter des zertifizierten standortübergreifenden Alterstraumazentrums ist. Im März 2024 starteten umfangreiche Umbaumaßnahmen: Zwei Stationen werden grundsaniert und zeitgemäß modernisiert, um den Anforderungen an die Behandlung und Therapie betagter und hochbetagter Menschen gerecht zu werden.Die Finanzierung erfolgte durch Fördermittel des Landes NRW in Höhe von über 6 Millionen Euro und Eigennmittel des Rheinland Klinikums in Höhe von 1,4 Millionen Euro Die erste kernsanierte Station konnte Anfang Dezember 2025 in Betrieb genommen werden. Die Fertigstellung der zweiten Station ist für die erste Jahreshälfte 2026 geplant.
In der Geriatrie (Altersmedizin) werden in der Regel Patienten behandelt, die häufig mehrere alterstypische Erkrankungen gleichzeitig haben. Ziel der geriatrischen Therapie ist es, neben der Behandlung einzelner Beschwerden vor allem komplexe Ziele zu erreichen - wie die Wiederherstellung der Selbstständigkeit im Alltag und die soziale Reintegration. Die Grundlage bildet eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit. Das geriatrische Team setzt sich zusammen aus: Geriatrisch weitergebildeten Ärzten, speziell geschulten Pflegefachkräften, Ergotherapeuten, Logopäden und Physiotherapeuten, Sozialarbeitern und Seelsorgern. Bei Bedarf werden ergänzend Spezialisten wie Neurologen, Psychiater, Chirurgen, Urologen, Gynäkologen, Zahnärzte, HNO- und Augenärzte sowie Dermatologen hinzugezogen. Neben der Geriatrie bietet das Elisabethkrankenhaus weitere medizinische Versorgung:30 Betten für akut-internistische Patienten, betreut durch erfahrene Gastroenterologen und Kardiologen und eine Onkologische Ambulanz als wohnortnahe Anlaufstelle für Patienten des standortübergreifenden Tumorzentrums. Im Elisabethkrankenhaus arbeiten rund 240 Vollzeitkräfte.
"Genau, wir sehen einen Bereich, der neu geschaffen wurde. Das ist neu umgebaut, eine Station, die die Belange der älteren Menschen gut berücksichtigen kann. Da gibt es ein sehr gutes Licht, Akustik, Raumkonzept, sodass ältere Menschen, auch wenn sie nicht mehr so gut hören oder sehen, gut zurechtkommen können. Es gibt viel Platz dort. Also, die Stationen sind an die Bedürfnisse älterer Menschen sehr gut angepasst." Chefarzt Dr. Oliver Franz über die neue Abteilung.
Die Umstrukturierung am Krankenhaus in Dormagen
Das Krankenhaus Dormagen liegt im Stadtteil Hackenbroich und wurde um 1980 errichtet. Als Haus der erweiterten Notfallversorgung verfügt es über eine Zentrale Notaufnahme mit eigenem Hubschrauber-Landeplatz. Das Einzugsgebiet erstreckt sich vom Rhein-Kreis-Neuss bis in den Norden von Köln. Die größte Abteilung des Hauses wird von Chefarzt Prof. Dr. Guido Saxler geleitet. Jährlich werden rund 800 endoprothetische Eingriffe an Hüft-, Knie- und Schultergelenken durchgeführt - darunter auch Operationen mit besonderem Schwierigkeitsgrad. Das hochqualifizierte Team ist zudem auf schwere Eingriffe an Wirbelsäule und Schulter spezialisiert. Zu den zertifizierten Zentren gehören das EndoProthetikZentrum der Maximalversorgung, das Wirbelsäulenzentrum, das Alterstraumazentrum und das lokale Traumazentrum. Unter der Leitung von Chefarzt Dr. Hubertus Degen bietet die Klinik modernste interventionelle Koronardiagnostik und -therapie.
Das Herzkatheterlabor verfügt über den derzeit modernsten Linksherzkatheter-Messplatz in ganz Nordrhein-Westfalen. Ergänzt wird dies durch einen Hybrid-OP, der neueste Röntgentechnik mit den Hygienestandards eines klassischen Operationssaals vereint. Damit stehen zwei vollausgestattete Linksherzkatheter-Messplätze für die Infarktversorgung zur Verfügung. Seit 2024 ist die Klinik für Gefäßchirurgie unter Chefarzt Dr. László Pintér fest etabliert. Das Team behandelt gefäßchirurgische Erkrankungen und versorgt zudem weitere Standorte des Rheinland Klinikums Neuss. Zu den Behandlungsschwerpunkten zählen: Erkrankungen des Venensystems, Krampfaderleiden, Chronische Wunden & offene Beine.Menschen mit chronischen oder chronisch wiederkehrenden Schmerzen finden im Klinikum spezialisierte Unterstützung. Die Abteilung wird von Yvonne Spichal und Dr. Jan Sebastian Okroglic geleitet. Im Dormagener Krankenhaus arbeiten rund 520 Vollzeitkräfte.
"Die Katheteranlage, die Sie sehen, ist exakt genauso ausgerüstet wie die Katheteranlage drüben im Herzkatheter. Mit einem Unterschied, wir haben noch mehr Flexibilität, was den Röntgenarm betrifft. Das heißt, wir können den Patienten hier vom kleinen Zeh bis zur Haarspitze untersuchen, weil wir die Röntgenanlage entsprechend steuern können." Chefarzt Dr. Hubertus Degen über den neuen Hybrid-OP in Dormagen.
Die Umstrukturierung am Lukaskrankenhaus in Neuss
Das Lukaskrankenhaus in Neuss ist der größte Standort des Rheinland Klinikums und blickt auf eine mehr als hundertjährige Geschichte zurück - die Wurzeln reichen sogar bis ins hohe Mittelalter. Hier befindet sich die größte Zentrale Notaufnahme im gesamten Rhein-Kreis Neuss. Das Lukaskrankenhaus steht für ein breites und spezialisiertes medizinisches Leistungsspektrum, das weit über die Region hinaus bekannt ist: Die Klinik für Kardiologie unter Chefarzt Professor Dr. Michael Haude genießt einen exzellenten überregionalen Ruf - insbesondere in der Interventionellen Kardiologie und als zertifiziertes Vorhofflimmerzentrum. Regelmäßige Empfehlungen in der Focus-Ärzteliste und Klinikliste unterstreichen diese Expertise. Das Lukaskrankenhaus beherbergt die einzige Kinderklinik im Kreisgebiet sowie eine Geburtsklinik, in der jährlich rund 2.000 Kinder geboren werden. Für die optimale Versorgung von Hochrisikofrühgeborenen und kranken Neugeborenen haben sich Kinder- und Frauenklinik im zertifizierten Perinatalzentrum Level 1 zusammengeschlossen. Frauenheilkunde Professor Dr. Günter Noé ist ein weltweit anerkannter Spezialist für Urogynäkologie und minimal-invasive gynäkologische Operationen. Für seine Forschung und die Entwicklung innovativer Verfahren bei Scheidenvorfällen und Inkontinenz wurde er national und international ausgezeichnet.
Unter Chefarzt Professor Dr. Alexis Ulrich bietet die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie mit dem zertifizierten Viszeralonkologischen Zentrum Spitzenmedizin. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der kolorektalen Chirurgie mit rund 700 Eingriffen pro Jahr. Die Klinik für Endokrine Chirurgie unter Chefärztin Katharina von Schenk zieht Patienten aus der gesamten Bundesrepublik in den Rhein-Kreis Neuss. Weitere medizinische Grundpfeiler sind: Tumorzentrum, Urologie, HNO, Unfall- und Handchirurgie (mit dem einzigen zertifizierten Lokalen Traumazentrum im Rhein-Kreis Neuss), Thoraxchirurgie sowie Gastroenterologie. Das Lukaskrankenhaus verfügt über zahlreiche zertifizierte Zentren, darunter:Chest Pain Unit & Cardiac Arrest Center, Perinatalzentrum Level I, Niederrheinisches Pankreaszentrum, Endometriosezentrum & Gynäkologisches Krebszentrum, Viszeralonkologisches Zentrum, Kompetenzzentrum Chirurgische Koloproktologie, Regionales Traumazentrum, Vorhofflimmerzentrum und die Thoraxchirurgie.Im Lukaskrankenhaus arbeiten rund 1195 Vollzeitkräfte.
"Also, diese OP-Roboter bestehen aus 3 Komponenten. Wir haben eine Konsole, an denen sitzt der Operateur und steuert dann mit Händen und Füßen förmlich die Instrumente, guckt durch ein Doppeloptiksystem und sieht dann, wie gesagt, den OP-Raum dreidimensional dargestellt. Die Signale, die man dann von diesen Joysticks abgibt, die werden über einen Technikturm dann an den eigentlichen Patientenwagen weitergeleitet und Ja, dann diese Bewegung, diese Feininstrumentenbewegung im Körper ausgeführt." Chefarzt Dr. Robert Rabenalt über den OP-Roboter Da Vinci.
Neubau am Lukaskrankenhaus
Ende 2025 erhielt das Rheinland Klinikum einen Förderbescheid des Landes NRW in Höhe von rund 142 Millionen Euro. Geplant sind ein modernes Zentrum für operative Medizin und Intensivmedizin sowie ein Zentrum für familienorientierte Geburtshilfe und Neonatologie - beides auf dem Gelände des Lukaskrankenhauses an der Preußenstraße. Das dreistöckige Gebäude entsteht westlich des Haupthauses und wird über einen Verbindungsgang angeschlossen. Es wird höchsten Ansprüchen an die operativ-intensivmedizinische Versorgung gerecht und schafft optimale Bedingungen für Schwangere, Familien und intensivpflichtige Kinder.
Kritik vom Betriebsrat
Der Betriebsratsvorsitzende Bernd Hirsekorn hat im Gespräch mit uns gesagt:
"Grundsätzlich tragen die Mitarbeiter die Umstrukturierung mit. Viele sehen auch, dass sonst vielleicht ein Krankenhaus hier im Kreis komplett geschlossen worden wäre."
Das bedeutet aber nicht, dass aus Sicht der Mitarbeiter jetzt alles super läuft. Und er hat sich da auch einiges anhören müssen, von Mitarbeitern, die ihren Job verloren haben oder jetzt deutlich längere Fahrten zur Arbeit haben.
Lange Wartezeiten in Notaufnahmen
Zu den größten Belastungen hat aus Sicht des Betriebsrates der Wegfall der Notfallaufnahme in Grevenbroich geführt. Dadurch ist jetzt in den zentralen Notfallambulanzen in Neuss und Dormagen deutlich mehr los. Und das führt zu Stress bei den Mitarbeitern und Frust bei den Patienten, sagt Hirsekorn. Jetzt gehe es vor allem darum, genau den Bereich der Notaufnahmen zu verbessern. Größere Räume und mehr Mitarbeiter sind da ein Ziel. Gespräche würden dazu schon laufen, sagt er. Aber, um da Verbesserungen zu erzielen brauche es wohl noch Zeit, fürchtet er.
