
Hitze-Check 2026: Städte im Kreis haben Luft nach oben
Der Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe zeigt Defizite im Rhein-Kreis Neuss: Vor allem Dormagen und Grevenbroich sind laut Studie nur unzureichend vor Hitze geschützt.
Veröffentlicht: Montag, 13.07.2026 08:23
Auch im Rhein-Kreis Neuss machen die hohen Temperaturen vielen Menschen im Sommer zu schaffen. Gerade an heißen Tagen sind Parks und Grünflächen wichtige Rückzugsorte, denn im Schatten von Bäumen lässt sich die Hitze deutlich besser aushalten. Doch genau daran fehlt es in vielen Städten. Das zeigt der aktuelle Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe.
Vier Städte aus dem Kreis bewertet
Untersucht wurde, wie gut Städte in Deutschland auf extreme Hitze vorbereitet sind. Die Bewertung erfolgte mit einem Ampelsystem: Grün steht für guten Hitzeschutz, Gelb für mittelmäßigen und Rot für schlechten Hitzeschutz. Für den Rhein-Kreis Neuss fällt das Ergebnis eher ernüchternd aus. Dormagen und Grevenbroich wurden mit Rot bewertet, Neuss und Meerbusch mit Gelb. Korschenbroich, Jüchen, Kaarst und Rommerskirchen tauchen in der Auswertung nicht auf, weil nur Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern untersucht wurden.
Zu wenig Schatten, zu viel Beton
In die Bewertung flossen mehrere Kriterien ein. Dazu gehören die Größe der Schattenflächen durch Bäume und Pflanzen, der Grad der Flächenversiegelung etwa durch Asphalt und Beton sowie der Verlust von Bäumen in den vergangenen Jahren.
Vor allem Dormagen und Grevenbroich schnitten in mehreren Bereichen schlecht ab. Nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe ist in beiden Städten die versiegelte Fläche gewachsen. Dormagen weist laut der Untersuchung in Nordrhein-Westfalen die kleinste Schattenfläche durch Bäume und Pflanzen auf. In Grevenbroich sollen in den vergangenen sieben Jahren mehr als 3.300 Bäume verloren gegangen sein.
NABU fordert schnelles Umdenken
Der Naturschutzbund NABU NRW spricht von erschreckenden Ergebnissen. Aus Sicht des NABU müssen Städte und Gemeinden dringend umdenken. Um Innenstädte im Sommer besser abzukühlen, müssten Flächen entsiegelt und ältere Bäume konsequent geschützt werden. Neben den Kommunen sieht der Verband auch das Land in der Pflicht, stärkere Anreize für Klimaanpassungsmaßnahmen zu schaffen.
Grevenbroich weist Kritik zurück
Die Stadt Grevenbroich weist Teile der Bewertung zurück. Die Zahl von 3.300 verlorenen Bäumen sei laut Stadt lediglich eine rechnerische Annäherung der Deutschen Umwelthilfe. Neu gepflanzte Bäume seien dabei nicht berücksichtigt worden. Nach internen Schätzungen gebe es in Grevenbroich seit 2018 unter dem Strich sogar 300 bis 400 Bäume mehr. Auch bei der Bewertung der Flächenversiegelung sieht sich die Stadt benachteiligt. Sie verweist auf den großen Anteil Landwirtschafts- und Waldfläche und bemängelt, dass dies bei der Untersuchung wenig Beachtung fand. Für 2027 plant die Stadt nach eigenen Angaben ein Konzept, mit dem versiegelte Flächen wieder aufgebrochen und begrünt werden sollen.
Dormagen spricht von einem verzerrten Ergebnis
Auch die Stadt Dormagen kann das Ergebnis nur bedingt nachvollziehen. Dormagen habe viele Grün- und Waldflächen und mit dem Rhein und den Rheinauen auch wichtige Orte, die für Kühlung sorgen und das Stadtklima positiv beeinflussen. Diese Flächen seien in dem Check aber nur zum Teil berücksichtigt worden, weil vor allem bebaute Gebiete angeschaut wurden. Gleichzeitig räumt Dormagen ein, dass durch neue Wohn- und Gewerbegebiete in den vergangenen Jahren mehr Flächen versiegelt wurden. Die Stadt will künftig nach eigenen Angaben bei Planungen stärker auf Klimaanpassung achten. In Dormagen gibt es bereits unter anderem Trinkwasserbrunnen, eine mobile Sprühnebelanlage sowie Sonnensegel an Schulen und Kitas. Außerdem sollen weitere Flächen entsiegelt und begrünt werden. Die Stadt will den Hitzeschutz noch stärker bei der Stadtplanung berücksichtigen.