
Hohe Zahlen bei Sexualdelikten unter Jugendlichen
Immer häufiger werden schon Kinder in Strafverfahren mit Sexualdelikten auffällig. In NRW gab es zwischen den zwölf bis 16-jährigen 2851 Tatverdächtige.
Veröffentlicht: Dienstag, 10.03.2026 05:00
Im Rhein-Kreis Neuss wurden für 2024 55 Sexualdelikte unter Kindern und Jugendlichen erfasst. Für 2025 sollen die Zahlen laut Polizei auf demselben Niveau liegen. Der schulpsychologische Dienst nennt dafür mehrere Gründe. Zum einen fühlen sich die Kinder und Jugendlichen mächtiger und stärker, weil sie ihr Gegenüber unter Kontrolle haben. Zum anderen geht es bei einigen aber auch um die Verarbeitung eigener Erlebnisse:
"Wir haben durch aus auch circa 20-25 Prozent, die selber sexualisierte Übergriffe erlebt haben und die dann beginnen das dadurch zu verarbeiten, weil sie sich niemandem anvertrauen können oder fachlich nicht so reagiert wird, wie wir uns das wünschen." ( Jörg Lachnitt - Systemischer Therapeut im Impulswerk Dormagen)
Das Impulswerk Dormagen kümmert sich um die Therapien für die Täter und auch teils für die Betroffenen.
Zusätzlich haben Kinder auch immer früher Zugang zu digitalen Medien, der häufig nicht gut genug kontrolliert wird. Jörg Lachnitt hat von einem Fall erzählt:
"Der Klient hat sich mit einer KI angefreundet und erzählte davon, als wenn es wirklich gewesen wäre. Er hätte sich mit dem Mädchen getroffen, die wären im Park gewesen und hätten die Enten gefüttert und waren im Cafe. Mir wurde erst später klar, wovon er eigentlich redet. Das heißt es ist Realität."
Das Impulswerk in Dormagen ist neben dem schulpsychologischen Dienst eine Anlaufstelle für Täter und deren Familien. Häufig werden Familien von Jugendämtern dorthin geschickt und dann wird in ersten Gesprächen geschaut, ob eine ambulante Therapie vor Ort möglich ist:
"Nach drei Monaten haben wir ungefähr eine Idee, worum es geht. Das heitßt man geht in eine Konfrontationsphase, um eine deutliche Grenze zu setzen und beginnen dann nochmal ein Jahr intensiv zu arbeiten, um zu schauen was die Alternativen zu den Verhaltensmustern, die als Ausgleich genutzt wurden, sind." (Jörg Lachnitt)
Ansonsten können sich Familien auch an die Ambulanz für Kinderschutz wenden.
Wichtig ist in dieser Zeit auch der Rückhalt in den Familien. Eltern sollen im besten Fall ein vertrauenswürdiges Umfeld geben:
"Ich wünsche mir von Eltern neugierig zu sein, wie ihre Kinder leben und wie es denen geht. In der Regel sind die Kinder hochgradig belastet und zwar in anderen Bereichen als der Sexualität." (Jörg Lachnitt)
Deshalb sollen die Eltern ganz viele Gespräche führen und so versuchen Probleme zu lösen.
Genauso wichtig ist die präventive Arbeit. Dabei muss es gar nicht, um das Enttabuisieren gehen, sagt Jörg Lachnitt:
"Ich finde nicht, dass jeder Mensch da so professionell mit umgehen muss, wie wir es sollten. Ich denke aber, dass Schulen, Kindergärten, Vereine und Pädagogen davon ein Wissen brauchen, um sowas überhaupt erkennen zu können oder zu wollen."
Dann müssen Schutzkonzepte entwickelt werden und genug über die rechtlichen Grenzen aufgeklärt werden. Viele Kinder
wissen wohl gar nicht, dass sie sich strafbar machen, sagt Jörg Lachnitt.