
Infos der Verbraucherzentrale zu hohen Gaspreisen
Die Gaspreise schnellen in die Höhe. Experten rechnen damit, dass die Rechnung für die kommende Heizperiode dreimal so hoch ausfallen wird.
Veröffentlicht: Montag, 05.09.2022 13:00
Wir haben mit der Verbraucherzentrale über die Situation gesprochen. Energieberater Thomas Bertram gibt Antworten.
Auf was müssen sich die Verbraucher hinsichtlich der aktuellen und der zu erwartenden Gaspreiserhöhungen einstellen?
Bertram: Aktuell haben sich die Verbraucherpreise für Gas etwa verdoppelt. Im kommenden Winter ist eine weitere Verdopplung wahrscheinlich. Also insgesamt Faktor 4 von 2021 bis 2023. Laut Rheinischer Post vom 29.08. hat Stadtwerkechef Julien Mounier für den Düsseldorfer Normalhaushalt für Gas und Strom zusammen für das kommende Jahr 4000€ bis 5000 € angekündigt.
Wann kommen die ersten Rechnungen mit den erhöhten Abrechnungen?
Bertram: Rechnungen kommen normalerweise im Jahresabstand, am besten man schaut, wann die letzte Abrechnung zugesandt wurde und rechnet ein Jahr drauf. Mit Rechnungen, die in den nächsten 3 Monaten bei den Verbrauchern ankommen, sind eher kleine Erhöhungen zu erwarten. Mit richtig hohen Abrechnungen ist wenn die kommende Hochpreisheizsaison eingeflossen ist, zu rechnen. Also spätestens im nächsten Jahr werden hohe Nachzahlungen gefordert.
Was können Verbraucher tun? Anbieter wechseln?
Der Anbieterwechsel ist im Augenblick eher aussichtslos, was das Kostensparen angeht. Eine Durchschnittswohnung von 100m² in Neuss wird im Augenblick für ca. 180€ Monatsabschlag mit Gas versorgt. Der günstigste Neukundentarif im Vergleichsportal wird mit 350 € angeboten. Meist bleibt man am besten wo man ist, und lässt sich bei Vertragsende in die Grundversorgung beim örtlichen Grundversorger fallen.
Welche Tipps und Empfehlungen haben Sie noch für die Verbraucher für den anstehenden Herbst und Winter?
Bertram: Zunächst mal aus der Heizung und Warmwasserbereitung rauszuholen, was rauszuholen ist:
- Heizung entlüften, Heizungsregelung optimieren: Heizkurve flacher einstellen, Heizzeiten knapper einstellen, Heizgrenztemperatur (wann springt die Heizung überhaupt an) senken. Wenn möglich, die Vorlauftemperatur absenken, bei geringerer Vorlauftemperatur holen sich Brennwertgeräte mehr Wärme aus dem Abgasstrom.
- Hydraulischen Abgleich mit neuen, smarten Heizkörperventilen durchführen lassen. Funkgesteuerte Einzelraumregelungen bei Fussbodenheizungen, die sich über Smartphone oder Tablet steuern lassen.
-alte Pumpen durch Hocheffizienzpumpen ersetzen.
-Bei vorhandener Solarthermie Heizung auf „aus“ stellen. Spart ein paar Prozent Verluste und zeigt, ob die Solarthermie funktioniert. Möglichst Nachmittags duschen, damit die Sonne noch Zeit hat den Speicher wieder zu laden.
-zentrale Warmwasserbereitung durch bedarfsgeführte Zirkulationspumpen optimieren, vielleicht auch Zirkulation komplett deinstallieren spart Pumpenstrom und Leitungswärmeverluste. Temperaturreduktion im Warmwasserspeicher spart sehr deutlich Energie aber da muss man die Legionellengefahr im Auge behalten.
-bei dezentraler Warmwasserbereitung hydraulische Durchlauferhitzer durch elektronische Durchlauferhitzer ersetzen lassen
-der Einbau einer dezentralen Push Pull Lüftungsanlage spart viel Gas und kostet wenig Strom. Ganz nebenbei ist der hygienische Luftwechsel garantiert und Schimmelbildung nahezu ausgeschlossen.
- Der Einsatz einer Warmwasserwärmepumpe spart nicht so sehr bei den Kosten, aber die Warmwasserbereitung funktioniert fortan mit Strom anstatt mit Gas.
-Einfachverglasungen durch Wärmeschutzglas ersetzen. Zur Not Fenster mit Folie verbessern.
- Selbermachen mit geringen Investitionen z.B. in Rohrleitungsdämmung wenn die Rohrleitungen in unbeheizten Bereichen verlegt sind, programmierbare oder besser smarte Heizkörperventiloberteile anbringen und sinnvoll programmieren.
Fensterdichtungen austauschen und Beschläge nachstellen vermeidet ungewollte Lüftungswärmeverluste. Die Wärmedämmung eines mit dünnem Holz verkleideten Kellerabgangs sowie der hölzernen Treppe vom EG ins 1.OG auf der Kalten Seite bringt große Einsparungen, wenn die Wärme hier nicht mehr in den Keller entweicht.
Dämmung auf der obersten Geschossdecke zum unbeheizten Speicher und in Abseitenverschalungen, unter der Kellerdecke und an der dem Haus zugewandten Garagenwand reduziert das beheizte Volumen deutlich und schafft im beheizten Bereich angenehm warme Oberflächen.
Welche Tipps geben Sie Mietern, die baulich ja wenig ändern können?
Bertram: Temperatur reduzieren, jedes Grad weniger spart 6% Energie, Heizungen freihalten, Beim Lüften die Ventile ganz ausdrehen, damit die kalte Luft, die durch das weit geöffnete Fenster auf das Thermostatventil fällt nicht Maximalöffnung auslöst.
Ungenutzte Räume weniger beheizen – innerhalb einer Wohnung sind 5° Unterschied meist unkritisch, von da ab muss die Luftfeuchte im Blick sein, sie darf im kalten Raum 50% relative Luftfeuchte nicht überschreiten, sonst droht Schimmelbefall. Türen zu schwach beheizten Räumen immer geschlossen halten.
Wassersparende Duschköpfe und Perlatoren einsetzen spart 10% Warmwasser, kürzer Duschen und weniger volle Bäder weitere Prozente. Elektronische Durchlauferhitzer auf angenehme Temperatur einstellen und kein kaltes Wasser beimischen. Untertischgeräte sind Energiefresser: 10 Minuten vor dem Zapfen ein-, und nach dem Zapfen ausschalten (besonders komfortabel z.B. mit W-Lan Funksteckdose)
Zweitgeräte aus! Wer braucht den 2.Kühlschrank im Keller? Kühl und Gefriergeräte abtauen, Kühlschrank leeren für den Urlaub, Temperaturen richtig einstellen (7° Kühlschrank, -18° Gefrierschrank) Für motivierte Mieter Kühlschrank im Winter auf den Balkon, oder ganz aus, Wäscheleine statt Trockner (rel.Luftfeuchte <50% im Blick! Wenn höher dann lüften!). Waschmaschine, Spülmaschine und Trockner voll beladen, Niedertemperatur und ECO Programme nutzen. Schaltbare Steckerleisten so positionieren, dass man sie auch benutzt. LED Leuchtmittel einsetzen, weniger fernsehen, das jeweils sparsamere Gerät nutzen: Smartphone < Tablet < Notebook < PC.
Strom am Besten dann verbrauchen wenn viel regenerativer Strom im Netz ist: tagsüber und bei Wind. Stecker PV Gerät anschaffen. 300W Leistung ab 400€. Auch für Mieter. Spart ganz grob 200kWh im Jahr.