
Kindeswohlgefährdung: Engpässe bei Unterbringungen
Wenn Kinder im Rhein-Kreis Neuss akut geschützt werden müssen, wird die Unterbringung für die Jugendämter oft zur Herausforderung.
Veröffentlicht: Donnerstag, 28.05.2026 04:00
Unterbringung oft unter großem Zeitdruck
Wenn eine Kindeswohlgefährdung vorliegt und Kinder sofort geschützt werden müssen, muss die Unterbringung oft sehr kurzfristig organisiert werden. Nach Angaben der Jugendämter im Rhein-Kreis Neuss passiert das teils innerhalb weniger Stunden und rund um die Uhr.
Dabei stehen grundsätzlich verschiedene Formen zur Verfügung. Genannt werden Inobhutnahmestellen, Bereitschaftspflegefamilien, Pflegefamilien, Wohngruppen, Intensiv-Wohngruppen, betreute Wohnformen und andere individualpädagogische Angebote.
Jugendämter melden immer wieder Engpässe
Aus den Rückmeldungen aus dem Kreis und den Städten geht hervor, dass es immer wieder zu Engpässen kommt. Besonders knapp sind demnach kurzfristige Inobhutnahmeplätze, Pflegefamilien und spezialisierte Einrichtungen für Kinder und Jugendliche mit komplexem Hilfebedarf.
Der Rhein-Kreis Neuss verweist darauf, dass bei akuten Fällen meist auf die Kinderschutzstelle „Pädagogische Ambulanz“ zurückgegriffen wird. Für jüngere Kinder kommen Bereitschaftspflegefamilien in Betracht. Wenn vor Ort keine Plätze frei sind, muss teils auf Einrichtungen außerhalb der Region ausgewichen werden.
Fälle werden komplexer
Mehrere Jugendämter berichten von einer zunehmenden Überforderung in Familien und von komplexeren Problemlagen. Genannt werden unter anderem psychische Erkrankungen, Sucht, häusliche Gewalt und andere Mehrfachbelastungen.
Auch die Suche nach passenden Plätzen werde schwieriger, je spezieller der Unterstützungsbedarf sei. Während eine Regelwohngruppe oft noch vergleichsweise schnell gefunden werden könne, dauere die Suche bei schweren psychischen Erkrankungen oder Suchtproblemen häufig deutlich länger.
Inobhutnahmen bleiben die Ausnahme
Trotz der angespannten Lage betonen die Jugendämter, dass bisher immer eine geeignete Unterbringung gefunden worden sei. Inobhutnahmen blieben dabei die Ausnahme und würden nur nach gründlicher Abwägung vorgenommen.
In Dormagen heißt es außerdem, dass nicht jede Meldung einer Kindeswohlgefährdung zu einer Inobhutnahme führt. Viele Fälle könnten gemeinsam mit den Familien im Hilfeprozess aufgefangen werden.
Ansprechpartner in Neuss
Das Jugendamt der Stadt Neuss nennt für Hinweise auf eine mögliche Kindeswohlgefährdung im Tagdienst die Rufnummer 02131 90 5177. Abends, am Wochenende und an Feiertagen ist der Bereitschaftsdienst des Jugendamtes über die Feuerwehr unter 02131 1350 erreichbar.
Für Fachkräfte gibt es außerdem eine anonyme Beratung nach Paragraf 8b unter 02131 90 5199.