
Mehr ADHS-Diagnosen im Rhein-Kreis Neuss
Die Zahl der ADHS-Diagnosen steigt. Wir sprechen über mögliche Gründe und Probleme rund um das Thema.
Veröffentlicht: Montag, 19.01.2026 15:00
Deutschlandweit haben in den letzten Zehn Jahren "mal eben" fast 200 Prozent mehr Erwachsene eine ADHS-Diagnose bekommen! Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie vom Zentralinstitut Kassenärztliche Versorgung. Die Zahl der Erst-Diagnosen hat sich demnach also verdreifacht.
Der Medizinische Dienst vermutet einen Zusammenhang mit Corona durch fehlende soziale Kontakte. Es gibt auch die Theorie, dass es mit immer mehr Reizen, denen wir ausgesetzt sind zu tun hat - wie mehr Lärm, mehr Medien-Konsum und das alles immer schneller und lauter ist. Das begünstigt ADHS, sagen Forschende. Bei Erwachsenen könnte es bisher einfach eine hohe Dunkelziffer geben oder gegeben haben. Viele haben vielleicht schon immer ADHS - wissen es aber nicht. Deswegen vermuten die Experten vom Zentralinstitut Kassenärztliche Versorgung auch, dass es mit der Zeit wieder weniger Diagnosen geben könnte.
Bei Kindern zwischen 7 und 10 Jahren in unserer Region sieht es auch nicht viel anders aus, sagt der Medizinische Dienst für unsere Region. Zahlen nur für den Rhein-Kreis Neuss gibt es zwar nicht. Aber: Auch der Schulpsychologische Dienst bei uns hat immer mehr mit ADHS zu tun. Daniela Frimmersdorf und ihre Kollegen beim Schulpsychologischen Dienst stellen fest, dass der Beratungsbedarf und die Zahl der Anfragen grundsätzlich sehr hoch sind:
Ursache für die gestiegene Zahl der Diagnosen ist unklar
Den einen Grund für den Anstieg gibt es nicht. Der Medizinische Dienst vermutet einen Zusammenhang mit Corona – beispielsweise fehlende Sozial-Kontakte oder mehr Zeit drinnen vor dem Fernseher. In der Forschung gibt es auch die Theorie, dass der Anstieg mit der gestiegenen Zahl an Reizen, denen wir täglich ausgesetzt sind, in Zusammenhang steht. Das begünstigt laut Forschenden ADHS. Außerdem besteht die Möglichkeit einer hohen Dunkelziffer bei Erwachsenen.
Unterschiede bei ADHS-Symptomen
ADHS-Symptome können ganz unterschiedlich ausfallen. Viele Betroffene berichten tatsächlich von einer Unruhe oder beschreiben sich selbst als sehr unorganisiert. Bei Anderen kann sich ADHS im Gegensatz dazu durch eine, vor allem nach innen gerichtete, Unruhe äußern. Eine weitere Möglichkeit ist, dass Menschen mit ADHS sehr stark organisiert sind, um trotz ADHS zurechtzukommen. So vertuschen sie ihr ADHS sozusagen unbewusst, meint Daniela Frimmersdorf.
Das sagen Betroffene
Bei Betroffenen sorgt die Situation rund um die Diagnose für Anspannung. Die Nachfrage nach Terminen ist hoch und die Wartelisten sind sehr lang. Das macht den Leidensdruck immer höher, wie uns Maike erzählt hat.
Betroffene müssen deswegen oft viel Zeit und Arbeit in die Terminsuche stecken. Das stresst Menschen ohne ADHS schon. Für Menschen mit ADHS kann die Belastung noch höher sein.
Diese Situation sieht auch der Medizinische Dienst kritisch. Mit der Zeit kann es immer mehr Probleme geben. Das kann bis in das Erwachsenenalter gehen.
ADHS und Social Media
Immer mehr Influencer machen ADHS zu ihrem Thema. Zum Teil sind es Betroffene, wie Nessa. Unter dem Namen Nessadhs macht sie Content u. a. auf TikTok und Instagram. Sie ist dort sehr erfolgreich. Über 170.000 Leute folgen ihr beispielsweise auf Instagram. In Videos will sie aufklären. Sie gibt beispielsweise Tipps im Umgang mit ADHS oder auch dazu, worauf man achten sollte, wenn man ADHS bei sich selbst oder Anderen vermutet. Rund um das Thema hat sie auch einen Roman geschrieben und schreibt einen Blog. Wir haben mit ihr gesprochen:
Anlaufstellen und weitere Infos
(Erstmals am 23.09.2024 veröffentlicht und mit aktuellen Infos am 19.01.2026 aktualisiert.)

