
Mit Prothese zum Neusser Sommernachtslauf 2027
Sechs Menschen mit Amputation trainieren in Neuss für den Sommernachtslauf 2027. Ihr Projekt heißt "Jeder Schritt zählt" - und das nehmen sie wörtlich.
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Seit wenigen Wochen trainieren sechs Menschen mit Amputation im Neusser Jahnstadion für den Sommernachtslauf 2027. Der langsame 5-Kilometer-Lauf ist ihr gemeinsames Ziel und das Projekt, das sie dorthin bringen soll, heißt "Jeder Schritt zählt". Eine von ihnen ist Sabrina. Die 42-Jährige verlor vor zwei Jahren bei einem Motorradunfall ihren Unterschenkel und kämpft sich mit einer speziellen Laufprothese zurück zum Sport. Das Gefühl dabei ist gewöhnungsbedürftig: Sabrina vergleicht es damit, als würde man permanent mit einem Bein auf Zehenspitzen stehen, während das andere normal aufgesetzt wird. Ihren allerersten Laufversuch hat sie noch gut in Erinnerung:
„Dann habe ich meinen Techniker angeguckt und habe gesagt, wir müssen jetzt erstmal Händchen haltend hier über den Platz laufen, weil das kriege ich gar nicht alleine hin. Man ist erstmal ganz wackelig, man traut sich erstmal nicht, weil man denkt, man fällt direkt um."
Inzwischen hat Sabrina diese erste Hürde hinter sich gelassen. Das Vertrauen in die Prothese wächst mit jeder Trainingseinheit.
Für das Laufen mit Amputation braucht es ein speziell entwickeltes Prothesenmodell. Eine Alltagsprothese ist dafür nicht ausgelegt, da weder das nötige Gewicht noch die Dynamik beim Laufen damit gehalten werden können. Klaus trainiert auch mit für den Lauf. Er erzählt, womit er in den ersten Wochen Schwierigkeiten hatte:
„Es gibt da halt immer wieder Blasen [am Stumpf] oder man merkt es nach dem Laufen die nächsten Tage, dass dann so ein bisschen Schmerzen noch kommen manchmal."
Solche Beschwerden sind in der Anfangsphase keine Ausnahme. Deshalb trainiert die Gruppe derzeit rund zweimal pro Woche und steigert sich langsam in der Intensität.
Hinter dem Projekt steht auch die TG Neuss als Veranstalter des Sommernachtslaufs. Der Verein unterstützt die Gruppe und freut sich auf ihre Teilnahme. Für die sechs Sportlerinnen und Sportler geht es dabei um mehr als nur den Lauf selbst: Sie wollen anderen Menschen mit Amputation zeigen, dass sportliche Ziele trotz körperlicher Einschränkungen erreichbar sind. Schirmherr Hermann Gröhe gibt den sechs noch ein paar Wünsche mit auf den Weg:
„Dass es nie zur Qual wird. Der positive Effekt sowohl für Körper, Geist und Seele, der entsteht dadurch, dass es Spaß macht. Deswegen Hartnäckigkeit und viel Freude."
Die Hobby-Sportler trainieren bis zum 05. Juni 2027 ergeizig weiter.