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Netflix will Synchronsprecher-Stimmen für KI nutzen
© SYMBOLBILD | Susanti - stock.adobe.com (KI generiert)

Netflix will Synchronsprecher-Stimmen für KI nutzen

Der Streaming-Riese Netflix fordert Synchronsprecher jetzt auf, ihre Stimme verpflichtend für KI-Training freizugeben. Die protestieren gegen diesen Plan.

Veröffentlicht: Dienstag, 03.03.2026 05:00

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Schon bald könnte es sein, dass der Lieblingsseriencharakter stumm bleibt und nur noch Untertitel auf dem Bildschirm zu sehen sind. Denn Netflix kündigte an, dass das die Konsequenz sein wird, wenn deutsche Synchronsprecher die Klausel nicht unterschreiben. Die Klausel soll Sprecher dazu verpflichten, ihre Stimmrechte 50 Jahre an Netflix abzugeben, dass diese dann für KI-Zwecke benutzen möchte. Doch profitieren tut davon bisher nur der Streamingdienst, denn die Synchronsprecher sehen in der KI eher eine Gefahr für sich selbst: Der Verband Deutscher Sprecher e.V. beklagt, dass es keine freie Entscheidung ist und die Sprecher mit diesem Vertrag ihre eigene Ablöse unterschreiben würden. Durch die Abgabe der Stimmrechte würden die Sprecher auch Stimmklone befürworten, so der Verband. Der betont außerdem, "dass jeder der unterschreibt, die Unwirksamkeit jeder Klausel individuell erstreiten müsste, gegen einen der finanzstärksten Medienkonzerne der Welt".

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Synchronsprecherin Luna Logemann kritisierte die Pläne

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Netflix will Synchronsprecher-Stimmen für KI nutzen
© Luna Logemann
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Die deutsche Synchronsprecherin Luna Logemann spricht Max Mayfield in Stranger Things und hat sich mit ihren Kollegen für einen Boykott gegen die KI-Klausel zusammengetan.

"Ich habe jetzt das Spinn-Off für Stranger Things abgesagt solange die Klausel besteht und das hat der restliche Hauptcast auch gemacht. Weil wir wussten das ist eine große Serie und das wird den Leuten auffallen, dass die Originalstimmen nicht mehr da sind."

Der Verband für deutsche Sprecher e.v. kritisiert vor allem, dass durch die Klausel nicht hervorgeht, ob und wie das Ganze vergütet wird. Netflix reagiert bisher eher unverständnisvoll auf den Sprecher-Boykott und betont, dass zukünftig auf deutsche Untertitel zurückgegriffen wird, wenn der Boykott nicht endet. Luna fänd das fatal, denn durch KI ginge auch eine gewisse Authentizität verloren.

"Die Rolle Max hat mich jetzt fast 10 Jahre begleitet und ich kann mich mit Max Charakter identifizieren. Auch aus dieser Motivation heraus verschiedene Sprachmelodien zu entwickeln, das würde ja durch KI alles wegfallen, wenn dann alles fest geskripted ist."

In Deutschland gilt das "Recht der eigenen Stimme" als anerkanntes Persönlichkeitsrecht, aber reicht das, um Netflix umzustimmen? Luna sieht die Hoffnung auf eine Einigung vor allem im großen Support der Fanbase von Stranger Things, was Netflix jetzt unter Druck setzt. Doch es fehlt in der KI-Klausel wohl noch an anderer Stelle: Nämlich an Transparenz.

"Also ich glaub ich könnte mich auf einen Kompromiss einlassen, einerseits mit Vergütung. Andererseits möchte ich aber genau wissen, wofür meine Stimme genutzt wird. Weil es wird in offiziellen Statements von Netflix nur gesagt, wofür es nicht verwendet wird, es wird nicht für den direkten KI-Output meiner Stimme verwendet. Ich möchte aber wissen, wofür es verwendet wird und das wäre meine Bedingung, dass ich das unterschreiben würde."

Bisher wurden laut DWDL noch keine Titel ohne deutschen Synchronsstimmen veröffentlicht, doch Netflix könnte das jederzeit Realität werden lassen.

Um auf ihre Lage aufmerksam zu machen, haben die Synchronsprecher eine Open-Petition namens Schützt die Kunst vor KI #DeineStimmefürechteStimmen ins Leben gerufen.

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