
Probleme rund um die Schultoiletten
Es ist ein Riesen-Aufreger-Thema in ganz NRW. Dreckige und unsichere Schultoiletten. Wir haben uns die Situation im Rhein-Kreis Neuss mit Schülern, Lehrern, Eltern angeguckt.
Veröffentlicht: Montag, 26.01.2026 15:00
Die Landeselternschaft hat rund 8000 Eltern und Schüler zu den Schultoiletten befragt. Das Ergebnis: Berichte über Vandalismus, defekte Spülungen, überlaufende Toiletten und Exkremente auf Klos, Wänden und Böden. Hinzu kommen fehlende Seife, kein Toilettenpapier und ein ständiger, unangenehmer Geruch. Viele Eltern berichten, dass Kinder in der Schule lieber einhalten, weil die Zustände so schlecht sind.
Schülerumfrage
Wir haben Schüler von verschiedenen weiterführenden Schulen im Rhein-Kreis Neuss zur Situation auf den Toiletten befragt:
"Ich finde, unsere Schultoiletten sind richtig dreckig. Ich gehe da nicht freiwillig drauf. Bei uns sind die Mädchentoiletten eigentlich sehr sauber. Nur manche Mädchen werfen einfach das Klopapier neben die Toilette. Bei uns ist es auch meistens sehr sauber, da wir auch einen Hausmeister haben. Also bei uns sind die Schultoiletten nicht so sauber. Der Hausmeister von uns kümmert sich halt da nicht drum. Unsere Schultoiletten sehen im wahrsten Sinne des Wortes einfach beschissen aus. Also, bei uns ist immer der ganze Boden vollgepinkelt. Ich wollte letztens auf Toilette gehen und dann hing da wirklich eine Kackwurst an der Türklinke".
Wer ist verantwortlich?
Für Bau, Ausstattung, Pflege und Reinigung der Schultoiletten sind die Schulträger verantwortlich. In den meisten Fällen sind das die Kommunen. Das Land NRW unterstützt die Kommunen jährlich mit einer Schul- und Bildungspauschale. 2025 waren das rund 840 Millionen Euro. Zudem hat die Landesregierung basierend auf dem von der Bundesregierung aufgelegten Sondervermögen, ein Infrastruktur- und Investititionsprogramm auf dem Weg gebracht. Einige Städte im Rhein-Kreis Neuss haben sich zur Situation der Toiletten-Anlagen geäußert:
Situation in Neuss
Die Stadt Neuss hat mitgeteilt: In den letzten Jahren hat Neuss gezielt in die Sanierung, Modernisierung und den Neubau von Schultoiletten investiert. Ein umfassendes Toilettensanierungsprogramm wurde gestartet und größtenteils umgesetzt. An 38 Schulstandorten erfolgten in den vergangenen acht Jahren Sanierungen im Wert von rund 20 Millionen Euro. Zu den aktuellen Projekten zählen die renovierten Toiletten der St. Konrad-Schule sowie die neuen Anlagen in der Stadionhalle am Jahnstadion, die von der Görresschule genutzt werden. Die Schultoiletten in Neuss werden täglich nach gesetzlichen Vorgaben gereinigt. Bei starker Verschmutzung können Hausmeister sofort eine Sonderreinigung veranlassen. Vandalismusschäden werden zeitnah repariert. Viele Schulen setzen zudem eigene Konzepte um, bei denen Schulpersonal und Schüler*innen gemeinsam Verantwortung für die Sauberkeit übernehmen – etwa durch Toilettendienste.
die Situation in Dormagen
Die Stadt Dormagen hat mitgeteilt: Das Thema Schultoiletten taucht bei uns in dormagen immer wieder auf. Oft stellen wir fest, dass es vor allem die Schülerinnen und Schüler selbst sind, die in den eingezäunten Schulbereichen ihre Toiletten unsachgemäß benutzen oder verunreinigen. Alle Schultoiletten werden regelmäßig gereinigt. Die Schulverwaltung ist ebenfalls involviert. Die letzte Beschwerde erreichte uns im Mai 2025 aus der Stürzelberger Grundschule. Nach einer Grundreinigung im Sommer 2025 sah die Schulleitung keinen weiteren Handlungsbedarf. Weiterführende Schulen können freiwillige Zuschüsse der Stadt erhalten, um Toilettenaufsichtspersonal einzusetzen – wie es seit Jahren am Schulzentrum Hackenbroich praktiziert wird. Ein eigens eingerichteter Raum für das Aufsichtspersonal vor den Toiletten sorgt auch an unserer Gesamtschule für große Zufriedenheit. Das Ergebnis: deutlich weniger Verunreinigung und Vandalismus.
Situation in Grevenbroich
Die Stadt Grevenbroich hat mitgeteilt: Viele Toilettenanlagen an unseren Schulen stammen aus den 1950er- bis 1980er-Jahren und waren altersbedingt sanierungsbedürftig. Deshalb haben wir in den vergangenen Jahren an zahlreichen Grund- und weiterführenden Schulen umfassende Toilettensanierungen durchgeführt, in der Regel als Komplettsanierungen und überwiegend in den Sommerferien, um den Schulbetrieb möglichst wenig zu beeinträchtigen. Dabei wurden unter anderem Wand- und Bodenfliesen, WC-Anlagen, Urinale, Trennwände, Heizkörper sowie sämtliche Ver- und Entsorgungsleitungen erneuert. An zwei Schulen wurden zusätzlich barrierefreie Toiletten eingebaut. Zuletzt wurden unter anderem am Pascal-Gymnasium, am Erasmus-Gymnasium sowie an mehreren Grundschulen Toilettenanlagen modernisiert. Weitere Sanierungen sind bereits fest eingeplant: Im Zuge der anstehenden Baumaßnahmen für den Rechtsanspruch auf den Offenen Ganztag (OGS) werden an mehreren Grundschulstandorten zusätzliche Modernisierungen der Schultoiletten vorgenommen.
Zustände wie sie aktuell landesweit diskutiert werden, sind für Grevenbroich kein strukturelles Problem. Gleichwohl gilt: Toilettenanlagen sind stark frequentierte Bereiche, in denen neben baulichem Zustand auch Nutzungsverhalten und Vandalismus eine Rolle spielen. Hier arbeiten Schulen, Schulträger und Hausmeisterdienste eng zusammen, um Mängel schnell zu beheben. Von Land und Bund erwarten wir vor allem verlässliche und auskömmliche Finanzierungsstrukturen für Schulbau und Sanierung insgesamt. Die Anforderungen an die Kommunen wachsen stetig – vom Ganztagsausbau über Inklusion bis hin zu Klimaanpassung – ohne dass die Finanzierung immer Schritt hält.
Situation in Meerbusch
Die Stadt Meerbusch hat mitgeteilt: Zustände wie landesweit geschildert gibt es an den Meerbuscher Schulen grundsätzlich nicht. Sanierungsarbeiten in Schulen – auch in den Schultoiletten – sind jedes Jahr Teil der städtischen Ferienbaumaßnahmen. Im Rahmen des groß angelegten Schulmodernisierungsprogramms erhalten viele Schulen zudem neue Toilettenanlagen. An zwei Grundschulen, an denen es 2024 Elternbeschwerden wegen verschmutzter Toiletten gab, wurden zusätzlich „Mittagszwischenreinigungen“ durch Fachkräfte eingeführt. Seitdem haben sich nicht nur die hygienischen Bedingungen verbessert, sondern auch das Verhalten der Kinder. Die jährlichen Mehrkosten liegen bei rund 15.000 €.
Situation in Korschenbroich
Die Stadt Korschenbroich hat mitgeteilt: in Korschenbroich gibt es keine gravierenden Baustellen. Zustände, wie sie landesweit zu erahnen sind, herrschen an Korschenbroicher Schulen nicht vor.
Situation in Jüchen
Die Stadt Jüchen hat mitgeteilt: Viele Toilettenräume in Jüchen sind in die Jahre gekommen und stehen auf der Liste für eine umfassende Sanierung. Besonders betroffen sind die Lindenschule Gierath (Standort Stessen) mit einem Haushaltsansatz von 60.000 € für 2027 sowie die Gesamtschule am Standort Hochneukirch, für die 90.000 € eingeplant sind. Auch die Zweifachsporthalle an der Stadionstraße erhält 20.000 € für die Instandsetzung der verkalkten Armaturen in den Umkleiden und WCs. Kleinere Reparaturen, wie der Austausch von Leuchtmitteln oder beschädigten Hygienespendern, werden von den Hausmeistern kurzfristig erledigt. Bei größeren Verstopfungen werden Fachfirmen beauftragt. Die Reinigungsleistung der bisherigen Unternehmen war oft unzureichend, weshalb die Verträge gekündigt wurden. Ab Januar 2026 übernimmt eine neue Firma die Gebäudereinigung. Zusätzlich wird ab Ende 2025 das Reinigungspersonal verstärkt und ein externer Dienstleister prüft die Qualität. Die Hausmeister kontrollieren die Sauberkeit digital über ein Ticketsystem, um Mängel schnell zu melden und zu beheben.
Sicherheit auf Schultoiletten
Auf Schultoiletten in der Region ist es auch zu Übergriffen von außen oder innerhalb der Schülerschaft gekommen. Caroline Lensing von der Lehrergewerkschaft GEW:
"Was den Sicherheitsaspekt bei Schultoiletten betrifft, ist das natürlich eine etwas komplexere Angelegenheit. Man könnte über Schließtechniken gehen, aber auch die sind natürlich nicht ganz einfach. Und wir wollen auch nicht, dass unsere Schulen, wie in den USA es üblich ist, zu absoluten Festungen werden. Die einfachste Regelung wäre, dass Schülerinnen und Schüler immer zu zweit zur Toilette gehen. Und gerade während der Unterrichtszeit, dass das so geregelt ist, damit es dann nicht zu Vorfällen kommen kann, wie es im letzten Jahr zum Beispiel in Krefeld oder Duisburg passiert ist."