
Rheinmetall rüstet in Neuss auf
Der Rüstungskonzern Rheinmetall will weiter im Neusser Hafen expandieren. Auf der Hafenmole 1 ist ein Technologiezentrum für 500 hochqualifizierte Arbeitsplätze geplant.
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Der Rheinmetall-Standort im Neusser Hafen durchläuft derzeit einen historischen Wandel, der die Ausrichtung des Werks fundamental verändert. Bis Ende des Jahres 2026 zieht sich der Konzern vor Ort vollständig aus der zivilen Automobilindustrie zurück. Die ehemals auf Pkw-Komponenten spezialisierten Anlagen werden im Zuge einer massiven Expansionsstrategie zu einem der wichtigsten High-Tech- und Rüstungsstandorte des Unternehmens in Nordrhein-Westfalen umgebaut.
Vom Autozulieferer zum Rüstungscampus
Über Jahrzehnte hinweg war der Standort in Neuss untrennbar mit der zivilen Automobilzulieferung und der Konzerntochter Pierburg verbunden. Dort wurden millionenfach hochtechnologische Bauteile wie Wasser- und Ölpumpen, Systeme zur Abgasrückführung sowie Vergaser für die internationale Autoindustrie gefertigt. Im Zuge der strategischen Neuausrichtung und der globalen Krise der klassischen Autoindustrie hat Rheinmetall diese Sparte jedoch verkauft. Im vierten Quartal 2026 wird der Verkauf an die Münchner Industrieholding Aequita für 350 Millionen Euro final vollzogen. Mit diesem Schritt verschwindet der traditionsreiche Name Pierburg samt aller dazugehörigen Gesellschaften endgültig aus der Konzernstruktur von Rheinmetall. Die Anlagen, darunter das erst 2014 für 50 Millionen Euro neu errichtete Werk Niederrhein, werden stattdessen schrittweise für die lukrative Rüstungsproduktion umgerüstet. Völlig neu ist das militärische Geschäft für den Standort historisch gesehen allerdings nicht: Bereits im 20. Jahrhundert fertigte Pierburg in Krisenzeiten militärische Aufträge, etwa für den Bau des Starfighter-Flugzeugs.
Zwei Rheinmetall-Großprojekte prägen den neuen Hafen-Standort
Der Umbau in Neuss konzentriert sich vor allem auf zwei große Bauprojekte rund um das Hafenbecken 1. Zum einen baut Rheinmetall das bestehende Werk an der Industriestraße komplett um. Es liegt südwestlich des Hafenbeckens auf dem Festland und wird künftig das Herzstück der Produktion sein. Die Verwaltung und einige Zukunftsprojekte bleiben auf dem alten Hauptgelände an der Alfred-Pierburg-Straße. Das zweite große Projekt ist ein kompletter Neubau: Direkt auf der Landzunge zwischen den Hafenbecken 1 und 2 baut Rheinmetall für 250 Millionen Euro ein neues Forschungszentrum. Dort sollen künftig Hunderte Fachleute an Künstlicher Intelligenz, digitaler Technik für das Militär und an neuen Satelliten forschen.
Schaffung neuer Arbeitsplätze
Durch den Ausbau schafft Rheinmetall viele neue Arbeitsplätze in Neuss. Die Zahl der Mitarbeiter wird sich laut des Unternehmens in den nächsten Jahren vervielfachen. Zuletzt arbeiteten noch knapp 300 Menschen in dem alten Autoteilewerk. Nun kommen in der neuen Rüstungsproduktion rund 700 neue Stellen hinzu. Im neuen Forschungszentrum auf der Hafenmole entstehen noch einmal 500 Arbeitsplätze für Wissenschaftler. Insgesamt wächst die Belegschaft in Neuss damit auf mehr als 1.200 Mitarbeiter.
High-Tech-Rüstungsgüter statt Sprengstoff
Ab 2027 sollen die umgebauten Fabrikhallen an der Industriestraße auf Hochtouren laufen. Rheinmetall konzentriert sich dort auf vier Bereiche. Ein großes Thema ist der Weltraum: In Neuss werden moderne Radar-Satelliten für das Militär gebaut. Sie können bei jedem Wetter scharfe Bilder von der Erde machen. Die Produktion läuft bereits so gut, dass aktuell jede Woche ein neuer Satellit fertig wird. Ein weiterer wichtiger Bereich ist der Bau von sogenannten Skyranger-Flugabwehrtürmen. Diese sind mit Kanonen und Radar ausgestattet, um feindliche Drohnen und Hubschrauber abzuwehren. Außerdem werden in Neuss Steuerungsteile für kleine Kampfdrohnen und gepanzerte Fahrerkabinen für Militär-Lkw gebaut. Wichtig für die Anwohner: Trotz der vielen Militärtechnik ist das Werk in Neuss nur ein Montage-Standort für Elektronik und Fahrzeugteile. Rheinmetall betont, dass dort zu keiner Zeit Munition, Sprengstoffe oder andere gefährliche Explosivstoffe gelagert oder hergestellt werden.