Anzeige
Themenschwerpunkt Wohnen
© SYMBOLBILD | elxeneize - stock.adobe.com
Teilen: mail

Themenschwerpunkt Wohnen

Die Lage am Wohnungsmarkt ist angespannt. Auch im Rhein-Kreis Neuss fehlen in den kommenden Jahren bezahlbare Wohnungen. In einer Serie beleuchten wir einige Schwerpunkte.

Veröffentlicht: Montag, 08.06.2026 04:00

Anzeige

1. Kritik an LEG-Wohnungen in Neuss-Erfttal

Anzeige

Schimmel, Müll, Ratten und kaputte Türen: Mieter der LEG-Hochhäuser an der Euskirchener Straße in Neuss-Erfttal beklagen seit Längerem massive Missstände. Bei einem Besuch vor Ort bestätigte sich der Eindruck vieler Beschwerden. Bewohner schildern ihre Situation als frustrierend und werfen der Wohnungsgesellschaft LEG vor, zu wenig gegen die Probleme zu unternehmen. Die LEG hat auf Anfrage auf die Vorwürfe reagiert.

Anzeige
Anzeige

Reaktionen von der LEG und dem deutschen Mieterbund auf die Kritik

Anzeige

Das Wohnungsunternehmen LEG erklärt, man nehme die Probleme ernst. Nach eigenen Angaben wurden ein Schädlingsbekämpfer beauftragt sowie zusätzliche Reinigungen und regelmäßige Kontrollen veranlasst. Der Deutsche Mieterbund hält diese Aussagen jedoch für wenig glaubwürdig. Er kritisiert unter anderem, dass Müll oft zu lange liegen bleibe und es an Hausmeistern fehle. Auch auf den Vorwurf, Beschwerden von Mietern würden nicht ausreichend beantwortet, geht das Unternehmen laut Kritikern nicht konkret ein. Nach Einschätzung des Mieterbundes könnten viele Betroffene ihre Rechte nicht konsequent durchsetzen, weil ihnen die finanziellen Mittel fehlen oder sie rechtliche Schritte scheuen. Hans Jochem Witzke, der Vorsitzende des Deutschen Mieterbundes NRW, glaubt nicht, dass die LEG wirklich etwas gegen die Missstände unternimmt:

"Das ist überhaupt nicht glaubwürdig, weil diesen Worten nie Taten folgen. Wir als Deutscher Mieterbund machen in Nordrhein-Westfalen flächendeckend die Erfahrung, dass sich die LEG viel zu wenig um ihre Objekte kümmert. Die verdienen sich dumm und dusselig. Und warum können sie nicht einen Teil des Geldes nehmen, um ihre Bestände ordentlich zu bewirtschaften?"

Er hält die Aussagen der LEG für nicht glaubwürdig und bewertet die Situation für die Mieter als schwierig:

"Wenn Sie 10-12 Mal irgendwo angerufen haben, dann lassen Sie es bleiben. Und dann gibt es Leute, die leider sich auch gefallen lassen, dass sie da seit Jahren zum Teil im Schimmel leben."
Anzeige

2. Sozialer Wohnraum

Anzeige

Im Rhein-Kreis Neuss wird bezahlbarer Wohnraum zunehmend knapp. Grund dafür ist unter anderem, dass Sozialwohnungen nach Ablauf ihrer Preisbindung wieder zu regulären Marktpreisen vermietet werden können. Laut einer Wohnbedarfsanalyse fehlen im Kreis bis 2040 mehr als 22.000 Wohnungen. Um dem entgegenzuwirken, entstehen in vielen Städten neue Wohngebiete, bei denen auch öffentlich geförderter und damit günstigeren Wohnraum geschaffen werden soll. Während die Mieten auf dem freien Wohnungsmarkt weiter steigen, fällt es vielen Menschen zunehmend schwer, eine preiswerte Wohnung zu finden. Nach Einschätzung von Hans Jochem Witzke vom deutschen Mieterbund NRW verschärft sich die Lage weiter:

"Die Zahlen werden immer geringer. In den nächsten zehn Jahren halbieren sich die Bestände und das bisschen, was da gebaut wird, ist verschwindend gering."

Ein Grund dafür ist, dass Sozialwohnungen nur für einen begrenzten Zeitraum preisgebunden sind. Nach Ablauf dieser Frist können sie zu normalen Marktpreisen vermietet werden. Viele ältere geförderte Wohnungen im Kreis könnten schon bald aus dieser Bindung fallen.

Im Rhein-Kreis Neuss gibt es mehrere wichtige Wohnungsgesellschaften und Wohnungsgenossenschaften. In Neuss zählen dazu vor allem die Gemeinnützige Wohnungs-Genossenschaft e.G. Neuss mit rund 3.700 Wohnungen, der Neusser Bauverein GmbH als städtische Wohnungsgesellschaft mit rund 7.500 Wohnungen sowie die Neusser Heimstätten Baugenossenschaft eG. In Grevenbroich sind insbesondere der Bauverein Grevenbroich eG mit etwa 1.700 Wohnungen und die Erftsiedlungsgenossenschaft Gindorf eG mit rund 600 Wohnungen von Bedeutung. In Dormagen gehören die Baugenossenschaft Dormagen eG mit rund 2.210 Wohneinheiten und die WORADO - Wohnraumgesellschaft Dormagen mbH & Co. KG zu den zentralen Akteuren. In Meerbusch ist der Bauverein Meerbusch eG zu nennen, in Korschenbroich unter anderem die KoBau eG. Ergänzt wird das Bild durch kleinere bzw. lokal genannte Akteure wie die Jüchener Wohnen eG und das Mehrgenerationenhaus Megero in Rommerskirchen.

Anzeige

In Deutschland sind die Wohnkosten in den vergangenen Jahren stark gestiegen, besonders in den Großstädten. Am teuersten ist das Wohnen 2025/2026 in München, wo Neubauwohnungen im Durchschnitt rund 24,84 Euro pro Quadratmeter kosten. Es folgen Frankfurt am Main mit 20,93 Euro und Hamburg mit 20,53 Euro pro Quadratmeter. Auch Berlin und Stuttgart gehören zu den Städten mit sehr hohen Mieten. Deutlich günstiger ist Wohnen dagegen in ostdeutschen Städten wie Magdeburg sowie in ländlichen Regionen. In Nordrhein-Westfalen finden sich vergleichsweise günstige Mieten zum Beispiel im Kreis Höxter, in Gelsenkirchen, Geilenkirchen, Dorsten, Alsdorf oder Beverungen.

Auch international zählen Städte wie Zürich, Singapur, Genf, New York, Hongkong und Paris zu den teuersten Wohnorten der Welt. Hohe Mieten und Lebenshaltungskosten sind dort vor allem auf starke Wirtschaftsräume, hohe Nachfrage und knappen Wohnraum zurückzuführen.

Um bezahlbares Wohnen zu sichern, gibt es in Deutschland Sozialwohnungen. Das sind staatlich geförderte Wohnungen mit Mietpreis- und Belegungsbindung, die nur an Haushalte mit geringem Einkommen vermietet werden. Voraussetzung ist meist ein Wohnberechtigungsschein (WBS), der in der Regel ein Jahr gültig ist und beim Wohnungsamt oder Bürgerbüro beantragt werden kann. Sozialwohnungen sind vor allem für Familien, Alleinerziehende, Senioren, Menschen mit Behinderungen und andere einkommensschwache Haushalte gedacht. Allerdings nimmt ihr Bestand seit Jahren ab, weil viele Wohnungen nach Ablauf der Bindung aus dem sozialen Wohnungsbau herausfallen. Um gegenzusteuern, will die Bundesregierung bis 2029 insgesamt 23,5 Milliarden Euro für neuen bezahlbaren Wohnraum und die Modernisierung bestehender Wohnungen bereitstellen.

Anzeige

3. Mietpreisbremse

Anzeige

Die Mietpreisbremse soll verhindern, dass Mieten bei Neuvermietungen zu stark steigen. In Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt darf die neue Miete höchstens zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Im Rhein-Kreis Neuss gilt die Mietpreisbremse in allen Kommunen außer in Jüchen. Das geht aus einem Gutachten hervor, das im Auftrag des NRW-Bauministeriums erstellt wurde. Darin wurden die Städte und Gemeinden des Landes anhand eines Punktesystems bewertet, um festzustellen, wo ein angespannter Wohnungsmarkt vorliegt. Demnach ist Jüchen die einzige Kommune im Kreis ohne angespannten Wohnungsmarkt. Am stärksten angespannt ist die Lage laut Gutachten in Neuss, gefolgt von Grevenbroich und Dormagen. In Kommunen mit Mietpreisbremse dürfen Mieten bei Neuvermietungen höchstens zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen.

Kritik kommt vom Deutschen Mieterbund: Es fehle an Kontrollen, außerdem gebe es Schlupflöcher - etwa bei Neubauten, überhöhten Vormieten oder möblierten Wohnungen. Deshalb sei die Mietpreisbremse zwar grundsätzlich sinnvoll, reiche aber allein nicht aus, um langfristig bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.


Anzeige

4. Wohnen für Hilfe

Anzeige

Bezahlbarer Wohnraum ist knapp - deshalb rücken alternative Wohnformen immer stärker in den Fokus. Ein Beispiel dafür ist das Projekt „Wohnen für Hilfe“ im Rhein-Kreis Neuss, das gemeinsam mit der Caritas angeboten wird.

Die Idee: Ältere Menschen, die über freien Wohnraum verfügen, nehmen junge Menschen wie Studierende oder Auszubildende bei sich auf. Diese können dort günstig wohnen und unterstützen im Gegenzug im Alltag - etwa bei Einkäufen, im Haushalt oder bei kleinen Hilfestellungen.

Das Konzept gilt grundsätzlich als sinnvoll, wird bislang aber noch zurückhaltend angenommen. Zwar haben sich bereits einige ältere Menschen gemeldet, die Wohnraum anbieten würden. Von jungen Interessierten gibt es bisher allerdings kaum Rückmeldungen. Dabei zeigen ähnliche Projekte in anderen Städten, dass solche Wohnpartnerschaften gut funktionieren können.

Weitere Informationen zum Projekt „Wohnen für Hilfe“ gibt es hier.

Anzeige
Anzeige
Anzeige