
Tötungsdelikt Dormagen - 12-Jähriger tatverdächtig
Ein mutmaßlich 12-jähriger Mitschüler soll für den Tod des 14-jährigen Yosef aus Dormagen-Delhoven verantwortlich sein. Ein Kind wurde als Tatverdächtiger ermittelt, sagt die Polizei.
Veröffentlicht: Dienstag, 10.02.2026 12:10
Die Nachricht erschüttert Dormagen und die gesamte Region: Nach dem tragischen Tod des 14-jährigen Yosef aus Dormagen-Delhoven steht nun ein 12-jähriger Junge im Fokus der Ermittlungen. Über ein mögliches Motiv ist bislang offiziell nichts bekannt. Polizei und Staatsanwaltschaft äußern sich aus Gründen des Jugendschutzes und der Persönlichkeitsrechte nicht zu Details. Aus Sicherheitskreisen hieß es allerdings, dass es Streit zwischen den beiden Jungs gegeben haben und der 12-Jährige sich gemobbt gefühlt haben soll. Außerdem soll der 14-jährige Yosef Mitschüler des jetzt Tatverdächtigen gewesen sein. Die Leiche wurde am Waldsee bei Hackenbroich gefunden.
Warum ist der mutmaßliche Täter nicht strafmündig?
In Deutschland gilt: Kinder unter 14 Jahren sind nicht strafmündig und können daher nicht nach dem Strafrecht verurteilt werden1. Erst ab 14 Jahren greift das Jugendstrafrecht, das auf Erziehung und Resozialisierung setzt. Für den 12-jährigen Tatverdächtigen bedeutet das: Es drohen keine Festnahme, keine Untersuchungshaft und keine Gefängnisstrafe. Selbst eine polizeiliche Anhörung ist nur im Beisein der Eltern möglich.
Wie geht es für den 12-jährigen Tatverdächtigen weiter?
Nach einer solchen Tat übernimmt das Jugendamt die weitere Betreuung. Es kann die Unterbringung in einer Jugendhilfeeinrichtung oder einem Heim anordnen, wo der Junge sozialpädagogisch betreut wird. Ein Beispiel für eine solche Einrichtung gibt es in Kaarst. Ziel ist es, das Kind zu schützen und zu fördern – eine strafrechtliche Verfolgung findet jedoch nicht statt.
NRW-Innenminister Reul fordert Debatte über Strafmündigkeit
Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte vor ein paar Wochen eine Überprüfung der Altersgrenze für die Strafmündigkeit angekündigt.
„Wenn immer mehr junge Menschen straffällig werden, müssen wir unser Sanktionssystem anpassen. Denkverbote sind da fehl am Platz“, erklärte Reul. "Die Debatte müsse geführt werden."
Reul betonte, dies müsse „nicht zwingend“ bedeuten, die Strafmündigkeit tatsächlich zu ändern.
"Vielleicht gibt es auch andere Methoden. Aber es kann auch nicht sein, dass es heißt, vor 14 kann dir nichts passieren. Es dürfe nicht ignoriert werden, dass immer mehr junge Menschen straffällig werden. Auch Jugendliche müssen für ihr Verhalten geradestehen: Wenn wir ehrlich sind, sind Zwölfjährige heute nicht mehr so, wie sie vor 20 Jahren waren."
Kriminell auffällige Kinder sollen laut Reul jedoch nicht ins Gefängnis, sondern durch sogenannte Häuser des Jugendrechts betreut werden. Diese Einrichtungen kümmern sich in NRW jährlich um etwa 500 Fälle und bieten eine intensive sozialpädagogische Betreuung.
Trauerfeier für Yosef
Für den getöteten Yosef gab es am Freitag (06.02.) eine öffentliche Trauerfeier auf dem Sportplatz in Dormagen-Delhoven. Die Stadt hatte diese zusammen mit Vereinen und weiteren Partnern organisiert, um den Menschen die Möglichkeit zu geben gemeinsam zu trauern:
Bürgermeister Erik Lierenfeld glaubt, dass die Verarbeitung des Falls lange dauern wird:
Schule bekommt psychologische Unterstützung
Nach dem Mord eines 14-Jährigen aus Dormagen bekommt seine Schule jetzt zusätzliche Hilfe. Das NRW-Schulministerium plant, das Psychologen-Team an der Schule zu verstärken. Dazu sollen unter anderem Experten der Bezirksregierung Düsseldorf so lange wie nötig begleiten und unterstützen, heißt es. An der Schule des Jungen fand nach Stadtangaben am Montag (9.2.) planmäßig kein Unterricht statt. Ab Dienstag (10.02.) soll dieser wieder stattfinden.
Polizei warnt vor Spekulationen
Nach dem Mord an dem 14-jährigen Jungen aus Dormagen warnt die Kreispolizei aktuell vor Spekulationen und Vorverurteilungen in sozialen Medien. Laut Polizei gibt es keine Hinweise auf mögliche Mittäter – entsprechende Gerüchte sind haltlos. Polizei und Staatsanwaltschaft bitten, von Diskussionen oder Aufrufen zu Straftaten im Netz Abstand zu nehmen. Falsche Verdächtigungen sind auch online strafbar. Auch der Vorsitzende des Dormagener Ausschusses für Chancengerechtigkeit, Murat Top, bittet um einen respektvollen Umgang mit dem Fall und warnt vor Spekulationen. Er betont die Bedeutung von Prävention und Unterstützung für Kinder und Jugendliche. Das Thema soll im Ausschuss weiter beraten werden.

