
Weihnachten im Gefängnis - Zu Besuch in der JVA
Wie ist Weihnachten für die Menschen, die ihre Familie an den Feiertagen nicht sehen können? Wir waren für euch hinter Gittern - in der Justizvollzugsanstalt in Düsseldorf.
Veröffentlicht: Dienstag, 23.12.2025 13:00
Hohe Mauern mit vielen vergitterten Fenstern - und hinter jedem könnte ein Gefangener sein. Über 800 Männer haben in der Justizvollzugsanstalt in Düsseldorf Platz - Es ist ein Hochsicherheitsgefängnis. Das heißt: Einige sitzen hier lebenslänglich.
“Man fühlt sich schon irgendwie ein bisschen allein, einsam. Das ist schwierig, aber ich muss halt durch. Es führt leider zur Zeit kein anderer Weg vorbei.”
Emmanuel ist 26 Jahre alt und sitzt in der JVA in Düsseldorf. Warum, das wollte er mir im Interview nicht sagen. Es ist aber nicht sein erstes Weihnachten hinter Gittern. Einfach ist es nicht, aber Weihnachten und der Glaube geben ihm Halt:
“Das ist meine, ich sag mal so, meine Energiequelle und das gibt mir auch Kraft, das hier, diese schwierige Zeit durchzustehen.”
Unterstützung bekommt Emmanuel von Thomas Schrödter. Er ist seit 11 Jahren Seelsorger in der JVA. Er kennt die Sorgen der Gefangenen:
“Allein das Hier-Sein-Müssen ist ja schon eine schwierige Situation an sich. Die Konfrontation auch mit der eigenen Tat: Die Familie ist nicht da, die Kinder sind nicht da.”
Vor seiner Arbeit als Seelsorger hat er "draußen" als Pfarrer gearbeitet. Er sagt: Weihnachten in der JVA ist besonders intensiv:
“Der Gottesdienst ist so voller Konzentration und Spiritualität. Da merkt man, glaube ich, dass jemand, der in so einer schwierigen Situation ist, vielleicht Weihnachten auch noch mal ganz anders erlebt und auch mit dem Inhalt der Weihnachtsbotschaft, mit diesem dieser Hoffnungsbotschaft, vielleicht auch noch mal anders angerührt wird.”
Gemeinsam allein sein
Was hier im Mittelpunkt steht: Das Gemeinsame und der Austausch. Dann wird Weihnachten im Gefängnis zumindest ein bisschen erträglich. Trotzdem bleibt Weihnachten allein hart. Als Gefangener Emmanuel schätzt deshalb den Kontakt zu anderen Gefangenen sehr - beim Weihnachtsumschluss:
“Als Gefangener hat man die Möglichkeit, auf einen anderen Haftraum zu gehen, also für 3 Stunden. Und da kann man sich auch mit dem anderen Gefangenen halt austauschen. Weil die eigentlich sozusagen auch das gleiche, ja das gleiche Schicksal wie ich teilen, ist man halt dann irgendwie doch nicht allein.”
Und auch die Stimmung wird in der JVA zumindest ein bisschen weihnachtlich: Mit weihnachtlichem Essen. An Heiligabend gibt es Kalbsgulasch mit Rotkohl und Klößen - fast wie zu Hause. Außerdem können die Gefangenen Weihnachtskarten und Deko basteln und musizieren. Emmanuel singt im Chor - das bedeutet ihm viel:
“Es ist mehr als ein Hobby. Also, es ist halt, es macht mir Spaß, auf jeden Fall. Aber es ist auch, das ist auch etwas, was ich gut kann. Also, ich habe ja auch draußen in der Vergangenheit gesungen.”
Gemeinschaft, Austausch, eine Perspektive geben. Das ist ein Ziel der JVA in Düsseldorf - nicht nur an Weihnachten. Und ganz ohne Familienbesuch muss Emmanuel dann doch nicht bleiben:
“Die kommen mich drei Tage nach Weihnachten, also drei Tage nach Heiligabend, besuchen. Und ja, das gibt einem auch halt sehr viel Kraft.”