
Weniger Apotheken und ein neues Apotheken-Terminal
Im Rhein-Kreis Neuss gibt es in diesem Jahr nur noch 91 Apotheken. Das ist eine weniger als 2025 und spiegelt die aktuell sinkende Zahl deutschlandweit wieder.
Veröffentlicht: Mittwoch, 04.03.2026 13:00
Seit einigen Jahren wird die Zahl der Präsenzapotheken immer weniger. Apotheker Christoph Napp-Saarbourg ist Inhaber der Einhornapotheke in Neuss und kritisiert vor allem die Politik:
"Die neue Regierung hatte einen Zuschlag auf die Packungsvergütung zugesagt. Das ist jetzt wieder erneut verschoben worden. Das ist völlig unverständlich und führt dazu, dass die Kollegen ihre Perspektiven nicht mehr in den Apotheken sehen und die Geschäfte schließen."
Dazu kommt dann auch noch die Konkurrenz durch Online-Apotheken. Viele Menschen kaufen dort, weil die Medikamente günstiger sind. Die Verbraucherzentrale sagt dazu, dass das allerdings nur für rezeptfreie Medikamente gilt. Christoph Napp-Saarbourg kritisiert noch einen anderen Punkt:
"Das [Medikament] ist auch nicht sofort da und wenn man mal ganz ehrlich ist: Wenn Sie Schmerzen haben haben und sparen unter Umständen zehn oder 20 Cent - also ich glaube daran kann es nicht liegen. Sie wollen doch ihre Schmerzen gelindert haben und nicht warten bis das Medikament kommt."
Außerdem hat man online zusätzlich noch Versandkosten, wenn man nicht einen bestimmten Betrag erzielt.
DM-Onlineapotheke
Die Drogierkette "dm" bietet mittlerweile auch eine Onlline-Apotheke an. Sebastian Bayer ist dort verantwortlich für das Thema Gesundheit und sagt, dass "dm" sowieso schon durch Bio- und Hygieneartikel in der Gesundheitsbranche ist und die Apotheke eine Erweiterung ist. Die Kunden haben sich das demnach schon länger gewünscht. Der größte Unterschied zu anderen Online-Apotheken besteht darin, dass die Drogeriekette nur rezeptfreie Medikamente verkauft und man seine Bestellung zusammen mit anderen Artikeln kaufen kann.
Christoph Napp-Saarbourg kritisiert stellvertretend für viele Apotheken das Konzept von "dm":
"Arzneimittel gehören in Deutschland in die Apotheke [...] und das ist eigentlich weltweit so. Wenn immer mehr Apotheken schließen - der DM macht keinen Notdienst - dann gibt es keinen mehr, zu dem sie in der Nacht hingehen können."
Sebastian Bayer setzt dem entgegen, dass Präsenzapotheken rund 85 Prozent der Einnahmen durch rezeptpflichtige Medikamente machen - also genau damit, was "dm" nicht verkauft. Die Drogeriektte sieht sich in dem Bereich als Ergänzung und nicht als Konkurrenz.
Erstes Apotheken-Terminal im Rhein Kreis Neuss
Im Eingangsbereich des REWE-Marktes der Familie Röttcher in Kaarst können Kunden seit Mitte Januar 2026 ihre Medikamente bestellen. Kunden, die in Kaarst wohnen, können sich ihre Medikamente sogar nach Hause liefern lassen. Seit Mitte Janaur 2026 ist das Terminal in Betrieb. Die Broicherdorf Apotheke zeigt sich zufrieden. Die Bestellungen über das Terminal würden zunehmen und immer mehr E-Rezepte darüber eingelöst, sagen die Betreiber.
So funktioniert das Apotheken-Terminal
Kunden des Supermarktes können am Automaten ihre Versichertenkarte einstecken – ähnlich wie an einem Bankautomaten – und abrufen, welche Medikamente vom Arzt verschrieben wurden. Diese Medikamente können dann direkt vor Ort bestellt werden und werden am nächsten Tag nach Hause geliefert, wenn man in Kaarst wohnt. Genau dieser Service wurde bisher bei 90 Prozent der Bestellungen genutzt. Alternativ können Kunden ihre Medikamente in der Broicherdorf Apotheke abholen.
Apothekerin Claudia Peters-Hinze hält diesen Schritt notwendig:
„Wir müssen schauen, dass wir als lokale Apotheken konkurrenzfähig zu den Online-Apotheken bleiben. Das Terminal ist der nächste Schritt in der Digitalisierung.“
Das Terminal soll also zur Stärkung des lokalen Marktes beitragen. Kunden können vor allem Zeit sparen, da sie den Einkauf im Supermarkt und den Apothekenbesuch nun an einem Ort verbinden können.
Claudia Peters-Hinze geht davon aus, dass solche Terminals die Zukunft der Apotheken beeinflussen können:
„Es gibt ja schon seit Längerem ein Apothekensterben, weil vieles eben auch online läuft. Die Terminals bieten eine echte Chance, den Kunden eine schnelle und zumindest teilweise digitale Funktion zu bieten.“
Gut möglich also, dass in Zukunft mehr solcher Terminals im Rhein-Kreis Neuss aufgebaut werden.
